© ANNETTE STIER – Fotografie / Annette Stier
100 Millisekunden: So schnell entscheidet Ihr Foto, ob man Ihrer GmbH vertraut

von Annette Stier · · 5 Minuten Lesezeit
In einer GmbH mit drei Mitarbeiterinnen gibt es keine Marketingabteilung, keinen Pressesprecher und keine Kampagne, hinter der sich die Geschäftsführung verstecken könnte. Wer das Unternehmen kennenlernt, lernt zuerst die Person an der Spitze kennen. Meist lange bevor es zum ersten Gespräch kommt: auf LinkedIn, auf der Website, im Angebot, in der Pressemitteilung. Genau dort setzt Personal Branding an. Was damit gemeint ist, wie ein solches Projekt bei mir von der ersten Anfrage bis zur Lieferung abläuft und wie das in der Praxis aussieht, zeige ich am Beispiel von Ines Korkowski, Gründerin und Geschäftsführerin der KRAFTSTOFF Fashion GmbH in Birkenau.
Was Personal Branding ist und was nicht
Personal Branding heißt nicht, eine Person möglichst vorteilhaft abzulichten. Es heißt, Bilder zu bauen, die Fragen beantworten, bevor jemand anruft. Bei inhabergeführten Unternehmen sind es immer dieselben drei:
Wer ist diese Person? Mit wem habe ich es zu tun, wenn ich hier anrufe?
Was macht das Unternehmen? Verstehe ich das Geschäft auf einen Blick?
Warum gerade sie oder er? Wer entscheidet hier, und wer steht dafür gerade?
Ein einzelnes Porträt kann diese drei Fragen nicht gleichzeitig beantworten. Ein Bewerbungsfoto oder ein Headshot zeigt ein Gesicht vor einem Hintergrund. Personal Branding ist eine abgestimmte Bildserie, in der jedes Motiv eine eigene Aufgabe hat: das nahbare Bild für das LinkedIn-Profil und die Über-uns-Seite, das Bild im eigenen Betrieb für Startseite, Angebot und Messe, das formelle Bild für Presse, Vorträge und Geschäftspartner.
Warum das für Geschäftsführer keine Eitelkeit ist
Janine Willis und Alexander Todorov haben 2006 an der Universität Princeton gemessen, wie schnell Menschen ein Gesicht beurteilen: Nach 100 Millisekunden steht das Urteil über Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Längere Betrachtung verändert es kaum noch. Das Foto entscheidet also, bevor der erste Satz gelesen ist.
Für einen Konzern ist das ein Randthema, dort trägt die Marke. In einer kleinen oder mittleren GmbH ist das Gesicht der Geschäftsführung die Marke. Ein Einkaufsleiter, eine Hoteldirektorin oder ein Praxisinhaber, die einen neuen Dienstleister prüfen, sehen zuerst dieses Gesicht. Ein Handyfoto zeigt dann meist schlechtes Licht. Ein KI-generiertes Bild zeigt eine Person, die es so nicht gibt, und beim ersten persönlichen Treffen fällt der Unterschied auf.
Das Beispiel: KRAFTSTOFF Fashion GmbH, Birkenau
Für dieses Beispiel habe ich bewusst ein Unternehmen gewählt, das nicht übermäßig groß ist, weil hier die Wirkung am deutlichsten wird. Ines Korkowski hat Kommunikationsdesign studiert und fünf Jahre bei SAP als User Interface Designerin gearbeitet. 2007 hat sie KRAFTSTOFF Fashion gegründet, seit 2022 ist das Unternehmen eine GmbH. Von der Weinheimer Straße in Birkenau aus berät KRAFTSTOFF Fashion Firmen zu Berufsbekleidung, Corporate Fashion und Teamoutfits, inklusive Stickerei und Logodruck. Die Kunden kommen aus Hotellerie und Gastronomie, Medizin, Handwerk und Verkehrsbetrieben. Ines ist Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen.
Ines und ich haben im Grunde denselben Beruf. Sie sorgt mit Stoff dafür, dass Menschen einen Eindruck hinterlassen, bevor sie etwas sagen. Ich mache das mit Licht.
Fotografiert haben wir komplett am Firmengebäude in Birkenau, an fünf Orten und in sechs Looks. Jeder Ort und jeder Look gehört zu einer der drei Fragen:
Wer ist sie? Jeansjacke und Plisseerock auf der Steintreppe, Wildlederblazer an der Klinkerfassade, die alte Holztreppe am Haus. Kein Logo, kein Produkt, sondern ein Mensch, mit dem man gern telefoniert.
Was macht sie? Im Showroom trägt Ines das Firmenhemd, hinter ihr hängt die Kollektion. Niemand muss lesen, was KRAFTSTOFF Fashion macht, man sieht es. In der Werkstatt stehen Transferpresse und Nähmaschine: Hier wird veredelt.
Warum gerade sie? Dunkelblauer Anzug, gerader Blick, ruhige Fensterfront. Das Bild für Vorträge, Presseanfragen und Geschäftspartner, die vor der Unterschrift wissen wollen, wer entscheidet.
Das Ergebnis sind neun Bilder, von denen jedes eine klare Aufgabe für die Marke übernimmt.
So läuft ein Personal-Branding-Projekt bei mir ab
- Persönliches Vorgespräch, kostenlos. Wir treffen uns im Studio oder bei Ihnen im Unternehmen. Die wichtigste Frage lautet: Wen soll das Bild erreichen? Kunden, Bewerber, Presse, Geschäftspartner? Daraus leiten wir ab, welche der drei Fragen Ihr Auftritt heute offenlässt.
- Bildkonzept. Wir legen fest, welches Motiv welche Aufgabe übernimmt, wo fotografiert wird und was Sie tragen. Die Faustregel: ein Outfit pro Frage, je nach Paket drei bis fünf.
- Ort. Mein Studio in Bensheim hat 150 m², ist klimatisiert und liefert kontrolliertes Licht bei jedem Wetter. Im eigenen Betrieb erzählt der Ort die Geschichte mit, so wie bei KRAFTSTOFF Fashion. Oft kombinieren wir beides.
- Shooting. Ich fotografiere jedes Shooting persönlich, ohne Assistenten und ohne Subunternehmer. Je nach Umfang dauert es eine bis zweieinhalb Stunden. Sie werden dabei geführt: Haltung, Hände, Blick. Niemand muss vorher wissen, wie man vor der Kamera steht.
- Bildauswahl. Im Studio wählen wir die Bilder direkt gemeinsam am Monitor aus. Nach einem Shooting vor Ort erhalten Sie eine Online-Galerie und markieren dort Ihre Favoriten.
- Retusche. Jedes ausgewählte Bild wird einzeln bearbeitet, als Fine-Art-Retusche an kalibrierten Monitoren, nicht mit einem Weichzeichner. Sie sollen auf dem Bild so aussehen wie an einem guten Tag, nicht wie jemand anderes.
- Lieferung und Nutzung. Im Paket Signature liefere ich innerhalb von 48 bis 72 Stunden. Die Nutzung für Website, LinkedIn, Social Media, Presse und Präsentationen ist inklusive.
Was es kostet
Die Preise stehen transparent auf meiner Website, alle Angaben netto. Personal Branding Starter: 349 Euro, drei Bilder, rund eine Stunde im Studio. Personal Branding Pro: 449 Euro, fünf Bilder, bis anderthalb Stunden, im Studio oder bei Ihnen vor Ort. Personal Branding Signature: 790 Euro, zehn Bilder, bis zweieinhalb Stunden, Studio und Außenaufnahmen, strategische Bildberatung, Shooting im eigenen Betrieb inklusive. Jede weitere Bilddatei kostet 45 Euro.
Worauf es am Ende ankommt
Meine Branche spricht gern über Kameras, Blitzsysteme und Objektive. Keines der Bilder von Ines ist wegen einer Lampe gut geworden. Was ein Unternehmer mit seinen Bildern erreichen will, ist Vertrauen, nämlich das seiner eigenen Kunden. Das entsteht nur, wenn er vorher der Person hinter der Kamera vertraut hat. Die Technik muss stimmen, damit die Bilder halten, was die Begegnung versprochen hat. Den Unterschied macht die Beziehung.
Zur Person
Annette Stier ist Fotografenmeisterin und Bachelor Professional im Fotografenhandwerk (DQR 6, Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main) mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Seit 2002 ist sie selbstständig, heute mit eigenem 150 m² Studio im Gebäude MONTANA, Zwischen den Bächen 23-25, 64625 Bensheim. Sie fotografiert Unternehmerinnen, Unternehmer und Teams aus dem Kreis Bergstraße, dem Odenwald und der Rhein-Neckar-Region. Bei Google hat sie über 170 Bewertungen mit durchschnittlich 5,0 Sternen.
Kontakt: info@annette-stier.com, Telefon 0160 170 65 65


