Ein Mann nutzt KI am Laptop für den Hausbau Würde eine Garage besser neben dem Haus aussehen als ein Carport? Mit Hilfe von KI kann man sich das schnell einmal angucken - zumindest auf dem Bildschirm. © dpa-tmn / Nico Tapia

Kosten, Gestaltung und Co.: Kann KI beim Hausbau helfen?

Deutsche Presse Agentur

von dpa · · 4 Minuten Lesezeit

Sie ist eine von vielen Branchen, aus denen Künstliche Intelligenz (KI) kaum mehr wegzudenken ist: die Baubranche. «Das beginnt schon bei ganz einfachen Dingen wie der Protokollierung auf der Baustelle», sagt Peter Reinwald. Er ist Bausachverständiger beim Verband Privater Bauherren und arbeitet viel mit Programmen wie ChatGPT, Claude oder Perplexity. «Alles, was dokumentiert werden muss, erledigt ein Bauleiter heute oft mit Hilfe von KI-Tools schneller und genauer.»

Ein wichtiges Feld ist auch die Visualisierungen von Entwürfen oder Ansichten. «Das funktioniert deshalb so gut, weil es viele Trainingsdaten gibt», sagt Jörg Blankenbach, Geodät mit Schwerpunkt Bauinformatik und Geoinformationssysteme an der RWTH Aachen. Schwieriger sei das bei komplexen ingenieurtechnischen Fragestellungen. «Diese Informationen sind nicht frei im Internet verfügbar, weshalb wir uns beim KI-Einsatz für konstruktive Fragestellungen und die eigentliche Tragwerksplanung in einer frühen Entwicklungsphase befinden.»

Das künftige Zuhause visuell umplanen

Nicht nur Profis, auch Bauherren können die KI für sich nutzen. Zunächst einmal etwa, um Informationen zu hinterlegen. Schließlich spielen beim Hausbau viele Dokumente und Daten eine entscheidende Rolle - vom Bebauungsplan, über Grundstücksdaten bis zu Kostenkalkulationen oder gestalterische Ideen. «All diese Informationen kann ich in der KI hinterlegen und spare mir das ständige Suchen und Nachschlagen», sagt Reinwald. Er gibt dabei aber auch zu bedenken, dass kostenlose KI-Versionen hierfür oft nicht ausreichend sind.

Noch eine Option für Bauherren: KI nutzen, um sich die eigenen Ideen konkret vor Augen zu führen. Soll es etwa doch ein Stockwerk mehr sein oder vielleicht lieber roter statt grauer Putz? Ein Foto, ein Prompt und schon spuckt die KI das neue Zuhause in verschiedensten Varianten aus. «Machen Sie sich mal den Spaß und schauen Sie, was dabei herauskommt. Das ist sensationell», sagt Peter Reinwald. In Sekundenschnelle die Dachform, die Farbe oder die Ausstattung ändern - digital ist das kein Problem und hilft vor allem Laien dabei, Ideen und Planungen zu visualisieren.

Und man kann sich auch Fachbegriffe von der KI erklären lassen. Denn wer baut, merkt schnell: Jedes Gewerk hat seine eigenen Vokabeln. Da können einem schnell die Ohren klingeln. Die KI erklärt dann Fachbegriffe oder Vorgehensweisen und kann so zum Verständnis beitragen. Das ist praktisch, um einen ersten Überblick zu bekommen. Bleiben Sie aber besser kritisch. «Man sollte nicht alles glauben, was man gesagt bekommt, und die Informationen selbst nochmal verifizieren», so Reinwald.

Nutzen, aber bitte kritisch

Bei der Kostenplanung kann KI ebenfalls unterstützen. So lassen sich etwa Kostenkalkulationen für unterschiedliche Szenarien schnell anpassen und verschiedene Optionen miteinander vergleichen. Das kann einen ersten Überblick geben - belastbar sind die Ergebnisse aber nicht zwingend.

Ohnehin gilt: Ob, es nun ums Visualisieren, Berechnen oder Vergleichen geht - KI kann bereits auf vielen Ebenen unterstützen. Eines können die Systeme in keinem Fall: Emotionen einbringen. «Bauen ist immer auch ein Stück weit Emotion und überall dort, wo besondere Architektur gefragt ist, werden der Architekt und ein versierter Ingenieur weiterhin unverzichtbar bleiben», sagt Reinwald.

Und: KI-Ergebnisse müssen immer kontrolliert werden. Die Qualitätssicherung durch den Menschen ist auch deshalb so wichtig, weil die KI physikalische Zusammenhänge hinter Bauwerken noch nicht zuverlässig abbilden kann, erklärt Jörg Blankenbach. Und geradezu lachhaft seien die Kenntnisse der Systeme in Bezug auf dreidimensionales Denken, sagt Professor Jakob Beetz, Bauinformatiker an der Fakultät Architektur der RWTH Aachen. «KI-Systeme tun sich damit noch immer schwer. Doch gerade im Bauwesen ist dieses räumliche Verständnis unverzichtbar.»

Der Mensch bleibt verantwortlich

Deutlich wird das beispielsweise beim Thema Brandschutz. Hier reiche es nicht aus Vorschriften, Ausnahmeregelungen und Gesetzestexte zu kennen. «Entscheidend ist das Zusammenspiel unzähliger komplexer Faktoren - etwa Fluchtwege, Abstände und Nutzungsarten, Materialqualitäten etc.», sagt Beetz. «Hier bleibt die Prüfung durch erfahrene Fachleute trotz zunehmender KI-Unterstützung unverzichtbar.»

Und auch rechtlich bleibt der Mensch verantwortlich, so Jörg Blankenbach: «Wer sich auf Ergebnisse einer KI verlässt, trägt auch die Verantwortung für die Entscheidung.»

Dennoch: Die KI wird für Profis wichtiger werden als sie ohnehin schon ist. Peter Reinwald geht davon aus, dass Bauprojekte künftig am Computer entstehen - und zwar von der Überlegung bis zur fertigen Bauzeichnung, inklusive Berechnungen und Kostenermittlungen. Auch die Forscher der RWTH Aachen sehen noch viel Potenzial in Sachen technischer Weiterentwicklung. Jakob Beetz: «Durch den Einsatz von KI können Planungsbüros verschiedene Bauvarianten schneller vergleichen, Umwelt- und Energiebilanzen früher berechnen und klügere Entscheidungen für qualitativ bessere und ressourcenschonende Bauwerke treffen.»

Wie sich das auf Bauherren auswirkt? Die Zukunft wird es zeigen.

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