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Die urogenitale Tuberkulose ist in Deutschland selten, bleibt aber klinisch relevant – insbesondere bei Patient:innen mit anhaltenden oder atypischen Beschwerden im Bereich der Harnwege. Für Hausärzt:innen und Internist:innen stellt sie vor allem eine wichtige Differenzialdiagnose bei unklaren urologischen Symptomen dar, bei der eine frühzeitige Überweisung zur Urologie sinnvoll sein kann.
Wann sollte an eine urogenitale Tuberkulose gedacht werden?
Verdächtig sind insbesondere:
- rezidivierende oder therapieresistente Harnwegsinfekte trotz leitliniengerechter Antibiotikatherapie,
- persistierende Mikro- oder Makrohämaturie ohne eindeutige Ursache,
- chronische irritative Miktionsbeschwerden (Dysurie, Pollakisurie),
- unklare Flankenschmerzen ggf. mit sonografischen Auffälligkeiten,
- schmerzhafte Schwellung oder Knoten an Nebenhoden/Hoden,
- unerfüllter Kinderwunsch bzw. Infertilität ohne andere Erklärung.
Besonders aufmerksam sollten Überweiser:innen sein bei Patient:innen mit:
- Herkunft oder längerem Aufenthalt in Ländern mit hoher TBC-Prävalenz,
- anamnestisch gesicherter Tuberkulose,
- Immunsuppression (z. B. Steroide, Biologika, HIV),
- bekanntem Kontakt zu infektiösen TBC-Fällen.
Die Manifestation im Urogenitaltrakt kann Jahre nach der Primärinfektion auftreten und wird daher anamnestisch leicht übersehen.
Typische Manifestationen
Im urologischen Setting zeigen sich u. a.:
- Niere und ableitende Harnwege: Vernarbungen, Strikturen, Schrumpfniere,
- Harnblase: Reizblase, reduzierte Kapazität, narbige Schleimhautveränderungen,
- männliche Genitale: epididymale Knoten, Nebenhoden‑/Hodenbeteiligung, Prostataveränderungen,
- weibliche Genitale: tubare/ovarielle Beteiligung mit Fertilitätsstörungen.
Die Symptome sind unspezifisch und lassen sich anfänglich oft gut durch häufigere urologische Erkrankungen erklären. Entscheidend ist deshalb das bewusste Mitdenken der Diagnose bei „unklar“ oder „therapierefraktär“.
Rolle der Überweiser:innen und der Urologie
Bei entsprechendem Verdacht ist eine Überweisung zur urologischen Mitbeurteilung sinnvoll, insbesondere wenn
- wiederholte antibiotische Therapien keinen anhaltenden Erfolg bringen,
- Hämaturie oder strukturelle Auffälligkeiten bestehen,
- systemische Zeichen (z. B. subfebrile Temperaturen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß) hinzukommen.
In der urologischen Praxis erfolgt dann eine weiterführende Diagnostik, u. a. mit:
- gezielter Anamnese (Reise, frühere TBC, Immunsuppression),
- Mykobakterien-Diagnostik aus mehreren Urinproben,
- Bildgebung (Sonografie, ggf. CT/MRT) und Zystoskopie,
- ggf. Biopsien und interdisziplinärer Abklärung mit Pneumologie/Infektiologie.
Die Behandlung erfolgt leitliniengerecht mit mehrmonatiger Antituberkulosetherapie. Die Urologie übernimmt dabei die Beurteilung und Behandlung urologischer Komplikationen (Strikturen, Obstruktion, Organfunktionsverlust) sowie die funktionelle Langzeitnachsorge.
FFF-Redaktion

