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Handwerk neu gedacht

wir.unternehmen Metropolregion Rhein-Neckar

von Christiane Haase · · 4 Minuten Lesezeit

Das Handwerk ist ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade in der mittelständisch geprägten Wirtschaft trägt dieser Wirtschaftszweig dazu bei, dass Arbeitsplätze in breiter regionaler Streuung angeboten werden.

Das Handwerk ist gefährdet, denn der Wirtschaftsstandort Deutschland steht vor einer der stärksten Umwälzungen seiner Geschichte: Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche wird innerhalb weniger Jahre einen Großteil der heutigen Wertschöpfungsprozesse radikal verändern. Gleichzeitig sind die ersten Auswirkungen des demografischen Wandels in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Die Fachkräftesicherung gehört mittlerweile zu einem der drängendsten Probleme, insbesondere im Handwerk. Klimawandel und Energiewende sind weitere wichtige Treiber für zu erwartende umfassende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen.

Ein Handwerksbetrieb an der Bergstraße hat die Zeichen der Zeit schon früh erkannt und sich insbesondere auf neue Prozesse bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden fokussiert. Sie gehen seit einigen Jahren andere Wege, wie Geschäftsführerin Kathrin Kunze, die das Unternehmen in 3. Generation gemeinsam mit ihrem Bruder Matthias führt. Wir haben ein Interview mit ihr geführt.

Seit wann gibt es Ihr Unternehmen und wer hat es aufgebaut?

Unser Großvater, Wilhelm Gassert, hat das Unternehmen 1958 gegründet. 1998 wurde es zu einer GmbH. Die Geschäftsführung blieb weiterhin in Familienhand, während mein Bruder, Matthias Kunze, seine Ausbildung im Familienbetrieb und anschließend technische Weiterbildungen absolvierte. 2014 übernahm er die Geschäftsführung und ist seit 2017 alleiniger Gesellschafter der Gassert GmbH. Wir führen das Unternehmen heute gemeinsam. Meine Schwerpunkte liegen im Personal- und Marketingbereich, Matthias kümmert sich um den Vertrieb und die technischen Prozesse.

Wie haben sich Ihre Schwerpunkte inhaltlich verlagert?

Wir haben als klassische Schlosserei und im Metallbau angefangen. Mittlerweile sind wir Experten bei der Montage von Fenstern und Türen, sowie in Brandschutzthemen und der Automatisierung. Gerade in größeren Gebäuden sind die Wartung, der Service und die Reparatur von automatischen Türsystemen notwendig und nimmt auch bei uns eine immer größere Rolle ein.

Wann haben Sie damit begonnen, Ihr Unternehmen intern so zu strukturieren, dass Sie Vorreiter im Bereich Personalführung/Marketing im Handwerk geworden sind?

2019 haben wir uns verstärkt mit dem Thema Mitarbeiterführung und -bindung auseinandersetzt und wollten neue Wege gehen. Das ist natürlich auch immer ein Risiko. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, ob unsere Investition in diesem Bereich zum Erfolg führen würde. Seit 2020 haben wir als eines der ersten Handwerks-Betriebe mit Social-Media-Marketing begonnen, uns und unsere Mitarbeitenden vor der Kamera gezeigt und so unseren Abonnenten Einblicke in unseren Arbeitsalltag gewährt. Dazu gehört Mut, aber auch ein Team, das bereit ist, solche Wege mitzugehen. Dieses Vorgehen hat dazu geführt, dass wir für Bewerberinnen und Bewerber nahbar und sichtbar geworden sind. Wir wurden immer mehr als authentischer und attraktiver Arbeitgeber gesehen, so dass wir teilweise auch von Bewerbern angesprochen worden sind. Unser Social-Media-Manager Nico ist tatsächlich aber auch permanent dabei, uns zu filmen, zu schneiden, Reels und Stories vorzubereiten. Diese Investition ist es aber absolut wert – und er ist ein tolles Team-Mitglied.

Werden Sie aufgrund dieser Entwicklung häufiger zu Podiumsdiskussionen eingeladen?

Wir haben im Rahmen von bestehenden Lieferantenpartnerschaften bereits an mehreren Podiumsdiskussionen teilgenommen und sind in diesem Jahr auch an einem Lieferantenstand beim OMR-Festival in Hamburg vor Ort. Das Handwerk hat im (Personal-) Marketing noch Nachholbedarf. Wir teilen daher gerne unsere Erfahrungen mit anderen Kolleginnen und Kollegen.

Hat sich Corona bei Ihnen ausgewirkt und wie?

Glücklicherweise konnten wir temporäre Personalausfälle gut auffangen. Von Materialpreiserhöhungen sowie Lieferverzögerungen oder -engpässen waren wir natürlich auch betroffen, konnten hier aber in der Kommunikation mit unseren Kunden immer eine Lösung finden. Unsere Auftragslage ist auch während Corona weitestgehend konstant geblieben, was auch in der hauptsächlichen Zusammenarbeit mit Industrie und öffentlichen Auftraggebern begründet ist. Dafür sind wir dankbar.

Was machen Sie im Bereich der Mitarbeitermotivation?

Wir trauen unseren Mitarbeitenden zu, Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben auch längerfristig zu übertragen. Wir kommunizieren regelmäßig, um direktes Feedback zu geben, aber auch zu erhalten – ganz nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“. Außerdem erhalten unsere Mitarbeitenden einen monatlichen Bonus im Rahmen einer Firmenkreditkarte sowie kostenlose Massagen, denn die harte körperliche Arbeit hinterlässt definitiv ihre Spuren und da ist es für beide Seiten nur förderlich, dem Körper hier etwas Gutes zu tun.

Möchten Sie uns ebenso von Ihrer Erfolgsgeschichte erzählen? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf: redaktion@mrn.wirunternehmen.de

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