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Der Meister und seine Schätze: der Pfälzer Krippenbauer

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von Lena Schwarzfischer · · 4 Minuten Lesezeit

Kaum eine Darstellung ist so sehr mit Weihnachten verbunden wie die Weihnachtskrippe. Es gibt sie in allen Formen, Farben und Größen. Eines bleibt allerdings immer gleich: die Heilige Familie mit Ochs und Esel. Für die perfekte Umgebung sorgt mit großer Liebe zum Detail der Pfälzer Krippenbauer Lutz Kuhl.

Egal ob im heimatlichen oder orientalischen Stil, Lutz Kuhl baut sie alle seit über 30 Jahren. Anfangs bastelte er für seine Kinder, später auch für Freunde und Verwandte. Das Bauen und die kreative Arbeit haben ihm so viel Spaß bereitet, dass er sich immer mehr damit beschäftigte: „Es ist wie beim Skifahren. Man kann sich viel selber beibringen, aber irgendwann kommt man an einen Punkt an dem man alleine einfach nicht mehr weiterkommt.“ Deshalb hat er in Klüsserath einen Lehrgang belegt um von den Meistern zu lernen. 2015 wurde er vom Verband Bayrischer Krippenbaufreunde zum Krippenbaumeister ernannt.

In seiner Werkstatt in Annweiler stehen liebevoll in einem Regal seine Werke. Unter anderem auch eine heimatliche Krippe im Fachwerkstil mit angebautem Stall, in dem sich die Heilige Familie befindet. Das Haus ist mit so vielen kleinen Details ausgestattet, dass es so auch in der realen Welt stehen könnte. Öffnet man zum Beispiel das Fenster und schaut in die Wohnstube, flackert dort ein kleines, rotes Feuer. Der Kamin raucht, an der Hauswand ranken sich grüne Weinreben entlang und eine Treppe führt in den Keller, in dem Weinfässer gelagert werden. Auch sonst ist die Krippe absolut realistisch. „Das ist ein klassischer Anfängerfehler. Die meisten verwenden zu grelle und saubere Farben. So sieht es in der Wirklichkeit nicht aus. Dabei muss man nur rausschauen und sich daran orientieren“, erklärt der Krippenbaumeister. Seine Inspiration nimmt er aus der Natur, seinen Urlauben, Bildern und auch aus Filmen: „Bei alten Streifen wie Ben Hur achte ich nicht auf die Handlung, sondern schau mir die Gebäude an.“

Viele der verwendeten Materialien sammelt Lutz Kuhl im dem Pfälzer Wald. Er ist begeisterter Mountainbike-Fahrer und wenn er auf Tour geht, ist sein Rucksack danach gut gefüllt mit Wurzeln, Gehölz und allem, was er sonst noch so entdeckt. Aber auch Gegenstände aus dem Alltag finden eine Verwendung. Zum Beispiel hebt er Lolli-Stiele auf, denn daraus lassen sich wunderbar Wasserrohre biegen, wenn man das Röhrchen über einer Flamme erhitzt. „Mit der Zeit sammelt man immer mehr Erfahrung und experimentiert auch viel. Man wird kreativ“, erklärt der 70-Jährige stolz.

Bis auf die Figuren, fertigt er in aufwendiger Kleinstarbeit und möglichst detailgetreu in der Werkstatt. Jede Krippe, jedes Zubehör und jeder Baum ist ein Unikat. Für eine Krippe braucht der gelernte Kfz-Meister circa 60 Stunden. Für die größeren, aufwendigeren Krippen können es gut und gerne auch deutlich mehr als doppelt so viele Stunden sein.

Der Spaß am Basteln steht für Lutz Kuhl immer an erster Stelle. Aufträge nimmt er nur an, wenn sie ihm auch selbst zusagen. Für eine Krippe braucht er sich etwa zwei Monate. „Ich lasse mir die Zeit, die ich brauche. Hetzen möchte ich mich nicht.“ So entstehen im Jahr fünf bis sechs neue Krippen. Zwischendurch baut er auch einfach nur für sich und probiert Neues aus.

Wenn er eine neue Krippe fertiggestellt hat, fällt es ihm immer schwer sie direkt zu verkaufen. „Die meisten davon behalte ich erst einmal selber für ein Jahr“, verrät er schmunzelnd. Zu bestaunen sind seine Krippen und Arbeiten auf dem Landauer Weihnachtsmarkt.

Der Austausch mit anderen Krippenbauern aus seinem Verein der Klüsserather Krippenfreunde ist für ihn sehr wichtig. Inzwischen gibt er auch selbst Kurse und Workshops, die schon Jahre im Voraus ausgebucht sind. Sein Wissen, seine Techniken und seine Leidenschaft weiterzugeben, ist ihm ein großes Anliegen, denn es seien schon zu viele Informationen verloren gegangen. Er möchte seinen Teil dazu beitragen, die einzigartige Kunst und die schöne Tradition des Krippenbauens zu erhalten.

Lena Schwarzfischer

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